Veröffentlicht am Do., 2. Mär. 2017 17:00 Uhr

Zwei Wochen lang besuchte eine Reisegruppe unseres Kirchenkreises im Januar den Kirchenkreis Iringa-West in Tansania, mit dem seit fast 40 Jahren eine Partnerschaft besteht. Im Newsletter gehen wir mit Ihnen noch einmal auf die Reise und berichten monatlich über unsere Eindrücke aus Afrika. Diesmal: Weshalb man in afrikanischen Gottesdiensten lieber ein Sitzkissen dabei haben sollte.

Die erste Erkenntnis der Reise ist schmerzhaft. Fünf Stunden sitzen wir schon in den Bänken der Kathedrale von Iringa – aber der Gottesdienst nimmt einfach kein Ende. Im Gegenteil. Dr. Owdenburg Mdegella, der nach 30 Jahren als Bischof der Diözese Iringa vor mehr als 1000 Gästen verabschiedet wird, ist in Hochform. Mal singt er mit dem Chor, mal tanzt er mit einem Gast, und sobald er einige Worte ins Mikrofon spricht, applaudiert die ganze Kirche. Die Uhr tickt immer weiter. Himmel hilf.

Eine Tonwucht mit Botschaft

Für europäisches Sitzfleisch sind afrikanische Gottesdienste eine Herausforderung. Beeindruckend sind sie trotzdem – ob in der großen Kathedrale oder unter dem Strohdach einer winzigen Kapelle. Der beste Platz, um das zu spüren, ist immer nahe beim Chor. So klein er auch sein mag: Die Tonwucht ist jedes Mal unglaublich. So viel Rhythmus, so viel Dur! Selbst wer außer "Hakuna matata" kein Wort der Landessprache Kiswahili versteht, spürt die Botschaft eindeutig.

Quengelige Kinder: Fehlanzeige

Ein Standardgottesdienst dauert mindestens zwei Stunden. Zu Owdenburg Mdegellas Abschied sind es am Ende fast sieben; die gemütliche Prozession der Gäste durch Iringa unter der Mittagssonne nicht eingerechnet. Auch Kinder sind in der Kirche immer dabei und selten quengelig. Sie tanzen, sitzen genügsam auf dem Schoss ihrer Mütter oder flitzen fröhlich mit anderen Kindern nach draußen, wenn es ihnen zu viel wird. Mal krächzt ein Baby, mal ningelt ein Kleinkind. Das war's. Die Mamas und Papas sehen entspannt aus. Haben wir nur Gäste-Glück? Oder ist das immer so? Und falls Letzteres: Wie machen die das nur?

Sonntagmorgen, sieben Uhr, die Kirchen sind voll

Dass Gottesdienste einen festen Platz im Leben haben, sehen wir an einem Sonntagmorgen um sieben Uhr. Die Kirche ist fast voll, obwohl es zwei Stunden später noch einen zweiten Gottesdienst gibt. Als wir berichten, dass ein Pfarrer in Deutschland um diese Zeit ziemlich sicher vor ziemlich leeren Sitzbänken predigen würde, lachen die meisten verwundert. "Warum das denn?" – "Naja, die Leute lieben ihr Bett." – "Aber sie lieben doch auch Gott, oder?" Eins zu null für Tansania.

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