Veröffentlicht am Mo., 3. Apr. 2017 15:30 Uhr

Joyce Ngandango hatte ihr neues Büro noch gar nicht richtig bezogen, da klingelte schon das Telefon. Ein Notfall! Man brauche dringend einen sicheren Ort, um ein Kind zu verstecken. Ob im Huruma Centre nicht noch ein Platz frei wäre? Der Notfall war ein sechsjähriges Mädchen, das vom Vater missbraucht worden war. Als er bei der Polizei angezeigt wurde, hatte seine Verwandtschaft versucht, das Kind umzubringen. „Das war ein besonders schlimmer Fall“ sagt Joyce und legt für einen Moment die Stirn in Falten. „Aber auch so ist kein einziges Kind grundlos bei uns."

Von der Reifenfabrik zum sicheren Zuhause

Seit einigen Monaten ist die Pfarrerin neue Leiterin des Huruma Centres. Mitte der 1990er Jahre hatte der Bischof der Diözese Iringa, Owdenburg Mdegella, das Haus für Aids-Waisen- und Straßenkinder gegründet. Was als Heim in einer alten Reifenfabrik begann, ist mit Unterstützung aus den USA, Deutschland und auch aus unserem Kirchenkreis für viele Kinder ein sicheres Zuhause geworden. Eine staubige Buckelpiste von der Stadt Iringa entfernt grasen Kühe friedlich zwischen den Schaukeln; Hühner huschen durch die Gartenanlage mit den flachen Häusern.

Eine Krankenversicherung ist das nächste Projekt

Rund 40 Mädchen und Jungen leben dort in Gruppen mit einer "Mama", die sich um sie kümmert, wenn ihre Eltern es nicht mehr können. „Chef-Mama“ Joyce hat viel Energie – und ein Lieblingswort: Projekt. Wer sie trifft, kommt kaum hinterher, all ihre Ideen zu notieren: Einen Laden eröffnen. Das riesige Feld nebenan bald komplett nutzen, um das Zentrum mit Mais zu versorgen und die Überschüsse zu verkaufen. Und die Kinder endlich krankenversichern. Um einen Husten oder ein aufgeschürftes Knie könnten sich die Mamas des Huruma Centres kümmern, „aber wenn ein Kind ins Krankenhaus muss, müssen wir die Behandlung bezahlen“, sagt Joyce. Wer keine Familie hat, hat auch keine Versicherung.

Der Schulbesuch ist kostenlos – doch das reicht nicht

Tagsüber, wenn die Kinder in der Schule sind, ist es ruhig auf dem Gelände. Nur in der Küche rumpelt es. Die kleine Ziegelhütte nebem dem Fußballplatz ist innen verrußt wie ein Kamin – gekocht wird auf offenem Feuer. Eine Knochenarbeit für die beiden Köchinnen. Und dennoch: Ein moderner Herd? Sie winken ab und lachen. Jeden Tag bereiten sie einen riesigen Kessel Ugali zu, einen Maisbrei, der auf einem Elektroherd ewig vor sich hinköcheln würde: „Wir brauchen Hitze!"

Kostenfreie Mahlzeiten oder Schulmaterial bietet das Huruma Centre auch den elf Kindern an, die nicht im Zentrum leben. Zwar ist der Schulbesuch in Tansania kostenlos; Bücher, Uniformen und Schreibzeug sind es nicht. So bleiben Mädchen und Jungen aus ärmeren Familien oft zuhause – auch wenn sie unbedingt lernen wollen. Joyce kennt Dutzende solcher Lebensläufe. Bevor sie ans Huruma Centre kam, war sie für die Arbeit mit Familien und Frauen in der Diözese Iringa verantwortlich.

Ein Huruma-Kind bleibt man immer

Mit 14 Jahren verlassen die Kinder das Huruma Centre. „Wir lassen sie aber nicht einfach allein“, betont Joyce. Schon lange vorher spürt das Centre Verwandte auf, bei denen die Jugendlichen unterkommen können. Später schauen Mitarbeiter regelmäßig vorbei und stellen sicher, dass die Teenager weiterhin zur Schule gehen. Viele von ihnen bleiben dem Huruma Centre verbunden und kommen zu Besuch immer wieder zurück.

In der Region hat das Haus einen guten Ruf. Oft fragt die lokale Regierung an, wenn sie Kinder aus schwierigen Verhältnissen kurzfristig für eine Weile unterbringen muss. Joyce sieht diese Entwicklung auch kritisch. Natürlich könnte man immer mehr Mädchen und Jungs aufnehmen, sagt sie. „Aber wir müssen der Gesellschaft auch wieder klar machen, dass sie Verantwortung für ihre Kinder hat.“ In Zukunft möchte sie mit ihren Mitarbeitern in Kirchengemeinden Workshops und Vorträge halten, was Kinder brauchen. Ein paar Notfälle weniger wären schon ein Anfang.

Fotos aus dem Huruma Centre können Sie in unserer Galerie ansehen.

Das Huruma-Centre ist auf Spenden dringend angewiesen, um auch in Zukunft allen Kindern ein gutes Zuhause bieten zu können. Wenn Sie die Arbeit unterstützen möchten, nutzen Sie bitte folgende Bankverbindung:

KVA Berlin Mitte-West 
IBAN: DE42 1005 0000 0190 6655 05
BIC: BELADEBEXXX
Verwendungszweck: Huruma Centre

T/F: JK

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