Veröffentlicht am Mi., 27. Nov. 2019 13:58 Uhr

Wer sich mit der Mystik der Zahlen auseinandersetzt, kommt an einigen Ziffern nicht vorbei: Die 7 zum Beispiel ist in der Bibel (Bitten, Tage, Todsünden) und Märchen (Geißlein, Schwaben, Zwerge) fest etabliert, die 3 steht in ihrer besonderen Ästhetik unter anderem für alle guten Dinge und die Dreifaltigkeit. In der Evangelischen Kirche aber ist der Blick seit einigen Jahren besonders auf die 2025 gerichtet: Bis zu diesem Jahr werden die Kirchensteuereinnahmen aktuellen Schätzungen zufolge um 25 (!) Prozent sinken. Auch auf der Herbstsynode des Kirchenkreises in der Kirchengemeinde Halensee stand diese Zahl und eine Frage im Fokus: Wie sieht der Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf im Jahr 2025 aus?

Immer weniger Mitglieder in den vergangenen zehn Jahren

Dass seine Gemeinden, Arbeitsbereiche und Einrichtungen bis dahin besser vernetzt sein müssen, um zukunftsfähig zu sein, zeigen die Mitgliederzahlen: Waren 2014 in Charlottenburg-Wilmersdorf noch 70 000 Menschen evangelisch, waren es 2018 nur noch 61.652. Setzt sich der Trend fort, könnten es zum Ende der nächsten Legislaturperiode der Kreissynode im Jahr 2025 nur noch 50 000 sein.

„Es steht außer Frage, dass wir weiter darüber nachdenken und gegebenenfalls auch darum ringen müssen, wie wir unsere Kräfte bündeln“, sagte Superintendent Carsten Bolz in seinem Impulsvortrag. Bereits auf der Frühjahrssynode 2019 standen die Netzwerke der Gemeinden in Arbeitsbereichen wie Jugend- oder Seniorenarbeit im Fokus. Für die Kirchenmusik soll in den kommenden fünf Jahren eine gemeinsame Konzeption erarbeiten werden.

Mehr Zeit für Seelsorge und Angebote für "Lücken-Kinder"

Nach dem Impulsvortrag diskutierten die Synodalen darüber, wie sie sich den vernetzten Kirchenkreis 2025 vorstellen: Was soll bleiben, was muss man loslassen, wo brauchen Gemeinden Unterstützung? Im Pfarrdienst lautete das Credo „Mehr Zeit für Menschen“: „Es wäre schön, mal wieder zu von Tür zu Tür zu gehen und zu hören, was die Leute bewegt“, sagte eine Synodale. Die nötige Zeit für diese seelsorgerische Arbeit würde frei, wenn nicht Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern gelernte Verwaltungskräfte die Geschäftsführung einer Gemeinde zum Großteil übernähmen. In den Gemeindebüros könnte eine entschlackte, digitalisierte, vernetzte und einheitliche Verwaltung und Organisation nicht nur haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter entlasten. Als erste Anlaufstelle sei eine professionelle, durch kluge Vernetzung gut erreichbare Küsterei auch ein Aushängeschild für die Gemeinde.

Nicht einfach irgendetwas anbieten, sondern genau schauen, welche Bedürfnisse Kinder und Familien heute haben: Diesen Ansatz sollte die Arbeit mit Kindern verfolgen. Statt des klassischen Kindergottesdienstes parallel zu dem der Erwachsenen könnten auch projektbezogene Ferienprogramme mehrerer Gemeinden und offene Kinder- und Jugendarbeit locken. Eine engere Zusammenarbeit mit Religionslehrern und Schulen sei grundsätzlich notwendig: Während Kinder evangelischer Kitas und Konfirmanden automatisch mit kirchlichen Angeboten in Berührung kommen, klafft in der Zeit dazwischen oft eine Lücke.

Plastiklos tagen - Jugend lobt Preis aus

Auf der Herbstsynode wurden sowohl die Jahresrechnung für 2018 als auch der Haushaltsplan für 2020 und der Stellenplan für 2020/21 einstimmig beschlossen. Im Gottesdienst verabschiedete Superintendent Carsten Bolz Pfarrerin Dorothea Strauß aus der Citykirchenarbeit an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in den Ruhestand.

Aus der Evangelischen Jugend in der EKBO (EJBO) berichtete Markus Sachse, Theologiestudent und Jugendsynodaler über die Aktion „EJBO plastikfrei“: Seit einiger Zeit achtet die Evangelische Jugend darauf, für ihre Veranstaltungen möglichst wenig in Plastik Verpacktes zu kaufen und Müll zu vermeiden. Daraus entstand nicht nur der Leitfaden zum Thema „Nachhaltig tagen“, sondern ein Umweltpreis: Jedes Gremium der EKBO mit mehr als acht Mitgliedern, das es schafft, im kommenden Jahr komplett plastikfrei zu tagen, kann sich bewerben.

Abschied - auf dem Weg zu einer neuen Synode

Die Herbstsynode 2019 war die letzte Sitzung, zu der die 1. Kreissynode des 2014 gegründeten Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf zusammenkam. Bis Ende Januar 2020 haben die Gemeinden nun Zeit, die neu gewählten Vertreterinnen und Vertreter für die Synode zu melden. Im März 2020 tagt die neue Kreissynode dann zum ersten Mal – mit neuer oder neuem Präses: Dr. Anne Berghöfer teilte mit, nicht noch einmal zu kandidieren, und bedankte sich für das Vertrauen der Synode.

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann würdigte die Synodalen für ihre ehrenamtliche Arbeit. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, sich nach einer anstrengenden Woche an einem Samstag hier einzufinden und mitzutun, mitzugestalten, mitzubewegen.“ Im Rückblick auf fünf Jahre Synode erinnerte er vor allem an die Flüchtlingskrise, die in diese Legislaturperiode fiel. „Sie waren ein Teil der Willkommenskultur, die so wichtig ist. Immer, wenn wir uns mitmenschlich begegnen, in den Dialog eintreten, ist schon die Hälfte der Vorurteile weg. Als Bezirk und Kirchenkreis waren wir gemeinsam gut unterwegs – das wünsche ich mir auch mit Blick auf alles Neue.“

Die nächste Kreissynode findet am 20. und 21. März in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde statt.

T/F: JK

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