Veröffentlicht von Juliane Kaelberlah am Do., 12. Dez. 2019 10:42 Uhr

Im Dezember 1929 erregt ein neues Bauwerk in Berlin-Schmargendorf die Aufmerksamkeit der Presse: „Unabhängig und kühn haben die Architekten den Ausdruck der Zeit gesucht – und gefunden ...“ schreibt die Deutsche Allgemeine Zeitung. Als „Gipfel der Modernität“ charakterisiert die Zeitung Der Deutsche

den Bau, und fügt skeptisch hinzu: „Obwohl manche praktische Neuerungen ... zu begrüßen sind, wird doch ein großer Teil der evangelischen Bevölkerung an dem ganzen Baustil nicht unberechtigt Befremden nehmen".

Der damals so avantgardistische wie umstrittene Bau ist die Kreuzkirche am Hohenzollerndamm. Als eine der wenigen im expressionistischen Stil erbauten Kirchen Deutschlands ist sie heute über Berlin hinaus bekannt. Am Sonntag, 15. Dezember 2019 feiert die Kirche ihr 90-jähriges Bestehen – auf den Tag genau.  

Nach dem Festgottesdienst um 14 Uhr mit Superintendent Carsten Bolz lädt die Gemeinde zu einem Empfang ein. Zur Festveranstaltung um 16 Uhr wird Musik aus den 1920er Jahren zu hören sein, die schon im vergangenen Jahrhundert in den Räumen der Kirche erklang: Bereits kurz nach der Einweihung feierten die Schmargendorfer dort große Kostümfeste. Sehr zum Ärger einiger Gemeindemitglieder: Ihre Beschwerdebriefe über „ausschweifende und in ein kirchliches Haus nicht passende Festivitäten“ sind noch im Kirchenarchiv zu finden.  

Pfarrer Dr. Andreas Groß stellt an diesem Tag auch das neue Buch des Historikers Manfred Gailus über die bewegte Geschichte der Kreuzkirche in den ersten Jahrzehnten vor. „Kreuzkirche, Kirchenkampf und Kriegsjahre. Die Kreuzkirchengemeinde in Berlin“ beschreibt nicht nur das Entstehen eines modernen Gemeindezentrums Ende der 20er Jahre sowie den Kirchenkampf im Dritten Reich zwischen Christen der Bekennenden Kirche und den nationalsozialistisch gesinnten Deutschen Christen, die das Gemeindeleben der Kreuzkirche lähmen. Auch die Situation der Kirche in den schwierigen Jahren der Nachkriegszeit beleuchtet es ausgiebig. Das Buch enthält zudem einen Beitrag des Historikers Prof. Dr. Peter Brandt zu Berlin im Jahr 1929.

Der wuchtige Bau aus rotem Eisenklinker mit seinem 54 Metern hohen Kirchturm wurde am 3. Adventssonntag 1929 geweiht. Besonders markant ist das Eingangstor aus blauer Keramik, das einer ostasiatischen Pagode ähnelt.

Heute zählt die Kreuzkirchengemeinde knapp über 3000 Mitglieder. Bekannt ist sie für ihre Vortragsreihe „Kirche und Gesellschaft“, zu der regelmäßig prominente Persönlichkeiten zu Gast sind – zuletzt beispielsweise Sigmar Gabriel. Weitere Schwerpunkte sind die meditativen Licht-und-Klang-Gottesdienste mit Kammermusik und die „Weltklänge“-Abende mit interkulturellem Gottesdienst und Fokus auf die musikalische und kulinarische Tradition eines Landes.

Das Buch „Kreuzkirche, Kirchenkampf und Kriegsjahre. Die Kreuzkirchengemeinde in Berlin“ erscheint im Wichern-Verlag und ist ab dem 15. Dezember 2019 zum Preis von 10,00 Euro in der Kreuzkirchengemeinde erhältlich. 

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