Veröffentlicht am Fr., 28. Feb. 2020 16:21 Uhr

Die Kirche hat Aids! So warb die Ökumenische Aids-Initiative KIRCHE positHIV in den 90er Jahren und gab Menschen mit HIV und Aids eine Stimme und einen Platz in der Kirche – über Konfessionsgrenzen hinweg.

KIRCHE positHIV verabschiedet sich mit einem Gottesdienst

Am Sonntag, den 1. März 2020 um 18 Uhr feiert KIRCHE positHIV einen Abschiedsgottesdienst in der Kirche Am Lietzensee. Die Liturgie gestalten Pfarrerin i.R. Dorothea Strauß, die die Initiative gründete, und Bruder Gregor Wagner OFM. Dr. Christina-Maria Bammel, Pröpstin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hält die Predigt; Johannes Leonardy (Orgel), Männer-Minne und RosaCavaliere führen musikalisch durch den Abend.

In vielen Kirchengemeinden war Aids lange ein Tabuthema

Geprägt von der Erfahrung, wie HIV-positive und an Aids erkrankte Menschen auch in Kirchen ausgegrenzt wurden, verstand KIRCHE positHIV die Krankheit als Herausforderung für das Verhalten und die Haltung der Kirche. Statt „Aids haben immer die anderen“ hieß es nun: „Die Kirche hat Aids“ und ist deshalb KIRCHE positHIV.

Mit Angeboten wie monatlichen Gottesdiensten, gemeinsamen Aktivitäten und umfangreicher Beratung bauten die evangelische Pfarrerin Dorothea Strauß und der katholische Franziskanerpater Norbert Plogmann die in Deutschland einmalige ökumenische Aids-Initiative auf. Im Laufe der Jahre entwickelte sie sich zu einem der wichtigsten kirchlichen Orte für mit dem HI-Virus Infizierte, ihre Angehörigen und Freunde in Deutschland.

Zahllose Ehrenamtliche – darunter viele, die selbst an Aids erkrankt waren – unterstützten die mehrfach ausgezeichnete Initiative. Im Jahr 2000 erhielt Pfarrerin Dorothea Strauß für ihren Einsatz das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ende 2016 zog KIRCHE positHIV in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.  

Der Bedarf an Seelsorge ist zurückgegangen

Mittlerweile ist die Immunschwächekrankheit gut therapierbar; die Zahl der Menschen, die an ihren Folgen sterben, sinkt. Aus einer todbringenden Infektion ist eine chronische Erkrankung geworden, die zwar der ständigen medikamentösen Therapie bedarf, aber trotz Schwierigkeiten in den Alltag integriert werden kann. „Der Bedarf an Seelsorge ist deutlich zurückgegangen“, beobachtet Dorothea Strauß, die seit Kurzem im Ruhestand ist.  

Wie soll Seelsorge für Menschen mit HIV und Aids künftig aussehen?

Das kirchliche Engagement für Menschen mit HIV und Aids in Berlin soll jedoch auch nach dem Abschied von KIRCHE positHIV weitergeführt werden. Deshalb laden wir alle Interessierten ein, mit uns darüber nachzudenken, wie spirituelle Angebote für Menschen mit HIV und AIDS in Zukunft aussehen könnten. Am Freitag, 27. März 2020 um 18 Uhr findet dazu ein offener Abend im Gemeindehaus der Schöneberger Zwölf-Apostel-Kirche (An der Apostelkirche 1, 10783 Berlin) statt.

An diesem Abend ist Gelegenheit, sich über Ideen und Wünsche auszutauschen und konkrete Schritte zur Umsetzung zu vereinbaren. Um die Planung des Abends zu vereinfachen, bitten wir nach Möglichkeit um Anmeldung bis zum 20.03.2020 an suptur@cw-evangelisch.de.

Foto: Giannis Papanikos/shutterstock.com

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