Veröffentlicht am Mi., 6. Mai. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Qualitätsmanagement (QM) in der Familie 

Viele von Ihnen kennen wahrscheinlich das Prinzip im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit; und wenn nicht, macht es auch nichts. Wie kann man die Qualität innerhalb einer Familie regeln? DIN ISO zu Hause – hallo? Im Grunde ist es ganz nützlich und einfach, wenn man einmal reflektiert, nach welchen Normen gelebt wird.  

Wir haben oft Standards verinnerlicht, ohne es zu merken

„Was ist unser Leitbild?“ und „Nach welchen Werten leben wir eigentlich?“ sind die großen Richtungsfragen. Sie sind meist davon abhängig, was wir aus dem eigenen Elternhaus mitgebracht haben. Leitbilder können überprüft und verändert werden. Haben wir unsere Vorstellungen vom Leben eigentlich genug reflektiert oder leben wir einfach das, was wir glauben, leben zu müssen? Welche verinnerlichten Standards sind vorgegeben, ohne dass wir es vielleicht merken? Bildung? Geldverdienen? Beides? Oder mit möglichst wenig Aufwand einfach gut durchkommen? Die Liste ist der Möglichkeiten ist so lang wie die Menschheitsgeschichte!  

Ziehen wir in der Familie alle am selben Strang?

Welche Ziele verfolgen wir konkret? Möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen, möglichst großen Wohlstand zu erreichen, besondere Reisen zu machen oder lieber alles auf die Karriere zu setzen? Welche großen und nachgeordneten kleineren Ziele gibt es, die den Alltag weitgehend bestimmen? Und dann die Frage, ob alle Mitglieder die gleiche Richtung einschlagen oder ob vielleicht Konflikte entstehen, weil man eben nicht „am selben Strang zieht“ und Bedürfnisse einzelner hinten runter fallen?  

Was ist mit den Kindern? Werden sie gefragt oder mit ihren Reaktionen wahrgenommen oder bestimmen alles ausnahmslos die Erwachsenen? Oder andersherum: Dürfen die Kinder freidrehen, weil sie so stark sind, die aufgestellten Grenzen der Eltern mit ihrer Power umzureißen, sodass manches Elternteil resigniert?

Manchmal passt der Weg nicht zum gewünschten Ziel

Und dann stellt sich die Frage der Maßnahmen, mit denen die offenen und vielleicht verdeckten Ziele erreicht werden sollen. Eine Maßnahme ist, dass Kinder tagsüber betreut werden müssen, damit die Eltern den ganzen Tag ihre beruflichen Ziele verfolgen können und eventuell auch aus finanziellen Gründen müssen.  

Stimmen die Maßnahmen mit den Zielen überein? Wenn man sich ein harmonisches Familienleben wünscht, aber keine Zeit für Gemeinsamkeiten da ist, oder man abends einfach erschöpft ist, ist das Ziel mit den ergriffenen Maßnahmen des Alltags vielleicht gar nicht zu erreichen. Also muss das Ziel oder müssen die Maßnahmen geändert werden. Das wäre eine Vorlage für ein schönes Gesellschaftsspiel. Statt Monopoly Familipoly (Órohrbach)!

Zirkeltraining für die Familie: Vornehmen – ausprobieren – verändern - umsetzen

Woran merke ich denn, dass unser System funktioniert, unsere Ziele mit den entsprechenden Maßnahmen erreicht werden? Welche Indikatoren haben wir dafür?

Ein sicherer Indikator, dass es nicht funktioniert, sind die Kinder. Sie wehren sich unbewusst mit ihrem Verhalten. Sie werden aggressiv, still oder haben Bauchschmerzen; sie hören auf zu kooperieren, weil ihr Maß voll ist. Vielleicht auch, weil das, was von Ihnen gefordert wird, nicht mit dem übereinstimmt, wie sich die Erwachsenen verhalten.  

Im Qualitätsmanagement gibt es den berühmten PDCA-Zirkel (plan-do-change-act). Zu Deutsch: Nimm Dir etwas vor, probiere es aus, verändere es zum Besseren und setze es um! Nach einer festgelegten Zeit werden die Handlungen darauf überprüft, ob sie passen.

Es wäre eine Idee, diesen Zirkel zur Überprüfung des Wohlgefühls in der ganzen Familie zu nutzen, also immer wieder einen neuen PDCA- Zirkel aufzustellen, statt im Hamsterrad immer mehr vom selben zu wiederholen, obwohl zu spüren ist, dass es mindestens einem in der Familie nicht gut tut.  

Kleine Stellschrauben drehen, große Änderungen sehen

Wir haben gerade eine Zeit der Evaluation, der Bewertung, der Schätzung des Wertes, wie wir bisher gelebt haben und ob das wirklich unseren Wünschen entspricht. Manchmal reicht es, einzelne Maßnahmen zu verändern, z.B. etwas kürzer zu arbeiten (Mutter und/oder Vater!), um das Kind früher aus der Kita abholen zu können, mehr gemeinsame Zeit zu haben und vielleicht kein neues Auto (oder was auch immer gerade nicht dringend nötig ist) zu kaufen. Der Stresspegel sinkt beim Kind und bei den Eltern; die Harmonie steigt.

Ein anderer Weg könnte auch sein, das Ziel „Wir müssen alles zusammen machen“ in Richtung individuellerer Freiheit zu verändern, wenn die Sprösslinge größer werden. Damit geht einher, die Maßnahme „Kontrolle“ durch Gespräche und Vertrauen zu ersetzen.  

Am Schluss ist es Ihr Glück, wenn Sie feststellen, dass sich die Lebensqualität, und damit auch die Gesundheit verbessert hat. Geht nicht gerade jeder Verzicht durch Corona mit der Sicherung von Gesundheit einher?  


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