Veröffentlicht am Mo., 11. Mai. 2020 19:45 Uhr

Rettungsschiffe im Mittelmeer – das ist ein durchaus kontroverses Thema in Kirche und Gesellschaft. Mitte 2019 ging vom Kirchentag in Dortmund der Impuls aus, sich verstärkt in der Seenotrettung zu engagieren. Die Aufforderung der Basis führte recht schnell zu der Entscheidung der EKD, zivilgesellschaftliche Akteure zusammenbringen und aktiv zu werden.

Ein „eigenes“ Schiff in dem Sinn, dass die evangelische Kirche als Eigentümerin und Betreiberin aufträte, stand nicht zur Debatte, ebenso wenig eine Finanzierung aus Kirchensteuermitteln. Stattdessen wurde gemeinsam mit anderen das Bündnis United4Recue gegründet, mit dem Trägerverein Gemeinsam Retten e.V.

Mittlerweise gehören dem Bündnis 460 Organisationen an, dazu kommen viele Einzelspender. Die eingesammelten Spenden machten es möglich, im Januar 2020 in einem Bieterverfahren das ehemalige Forschungsschiff Poseidon zu erwerben. Nach der teilweisen Umrüstung wurde das Schiff im Februar 2020 umgetauft auf den Namen Sea Watch 4, weil Sea Watch e.V. als erfahrene Organisation das Schiff betreibt.

Schon wenige Tage später lief es aus und befindet sich zur Zeit im Hafen von Burriana, Spanien. Den aktuellen Standort kann man online im Auge behalten, wenn man unter https://schiffradar.org/schiffssuche in der Karte auf die Lupe links oben klickt und den (vorherigen) Namen Poseidon eingibt. Es erscheint das Schiff mit der Bezeichnung "general vessel".

Auch wenn weitere Umbauten fast abgeschlossen sind, kann das Schiff aufgrund der Corona-Krise nicht wie geplant im Mittelmeer unterwegs sein. Einen Eindruck von den Gegebenheiten an Bord können Sie sich bei einem virtuellen Rundgang mit dem zweiten Offizier verschaffen. Im Livestream der Sendung „Quo vadis Seenotrettung“ am 28.04.20 wurde ein kurzes Video dazu eingespielt (https://www.youtube.com/watch?v=LkUDviC2iGI, Min. 19:12-22:33).

Der Kreiskirchenrat hat sich im Januar 2020 mit der Thematik befasst und beschlossen, dem Aktionsbündnis beizutreten. Superintendent Bolz betonte, es handele sich um das Signal, "dass wir als Christen handeln, wenn andere in Not sind, bis endlich humane politische Lösungen für die unhaltbaren Zustände im Mittelmeer gefunden werden.“

Link zur Sea Watch
https://sea-watch.org/das-projekt/sea-watch-4

Text: Susanne Pumpe / Foto: Sea Watch

Kategorien KK-Flüchtlingsarbeit