Veröffentlicht am Do., 14. Mai. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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Sie haben mein Mitgefühl!

Liebe Eltern, ich lese eine Trägerinformation des Berliner Senats für die Kitas nach der anderen und bekomme schon Schwindel vom vielen Kopfschütteln. Wie bitte schön soll das gehen? Die Kitaleitungen dürften bei Befolgung aller Richtlinien entscheiden, welche Gesetze oder Anweisungen sie brechen wollen und wer in diesem Glücksspiel eine der zahlreichen Nieten ziehen darf.

Alles unter einen Hut kriegen? Diesen Hut gibt es nicht!

Die Kitas waren vor der Coronakrise voll bis überlaufen, die Wartelisten endlos lang, das Fachpersonal rar, und die Ansprüche der Eltern hoch – genauso wie die Versprechen des Senats auf einen kostenlosen Kitaplatz für jedes Kind. Die Mitarbeiter*innen in der Verwaltung haben sicher nach bestem Wissen und Gewissen versucht, alles unter einen Hut zu bringen, was in dieser Phase der Corona-Krise nötig ist. Aber diesen Hut gibt es nicht!

Etwa ein Drittel des Personals gehört den sogenannten Risikogruppen an, alle Formen geöffneter Konzepte werden über den Haufen geworfen und jeden Tag kommt etwas Neues.

Die Kindertagesstätte muss jetzt noch mehr leisten als ohnehin

Vor lauter Bürokratie fragt man sich, wer sich eigentlich um die Kinder bemühen soll, die nach teilweise stressigen Zeiten zu Hause viel Aufmerksamkeit und Ruhe brauchen, um ihre erlebten Geschichten verarbeiten zu können.

Natürlich kann das bei aller Mühe keine Kita leisten. Und schon gar nicht, wenn sich die Informationen jeden Tag verändern und noch einmal zehn Seiten Grundsatzfragen gelesen werden müssen. Das Problem wird nicht zu lösen sein, solange keine Fachkräfte da sind, die angemessen bezahlt werden, solange nicht mehr Räume zur Verfügung stehen und nicht, bevor Corona als aufregende Phase in die Historie eingegangen ist. Die Vorsicht wird berechtigterweise bleiben müssen; aber lässt sich das in den Kitas und Schulen auf diese Weise durchhalten?

Niemand will Eltern ärgern

Eltern mit mehreren Kindern werden das eine vielleicht vormittags und das andere nachmittags in die Schule bringen dürfen, dann wieder eine Woche gar nicht, sodass es zu Hause lernen muss. Dann kommen die Kita-Kinder dazu. Also könnte es sein, dass eine Familie ein kleines Fuhrunternehmen nebenbei betreiben muss, wenn die Eltern schon nicht zum Arbeiten kommen.

Das ist jetzt etwas überzeichnet, aber es kann sein, dass es eine gute Weile dauern wird, bis der Preis für unsere gesundheitliche Sicherheit gezahlt ist. Und so sollte man es auch bewerten, denn niemand will Böses, Eltern ärgern oder unnötige Beschränkungen verhängen; sondern Unmögliches möglich machen, um Sicherheit vor einem erneuten Ansteigen der Infektionszahlen zu gewährleisten.

Jetzt müssen die Netzwerke noch stärker werden

Wir alle kennen keine vergleichbare Situation. Deshalb ist es vielleicht ein guter Plan, sich familienweise untereinander zu vernetzen und sich zusätzlich im privaten Bereich auch zu unterstützen. Wir wissen noch nicht, wie lange diese Phase dauern wird; aber ohne Kreativität und Eigenverantwortung wird es schwierig.

Es lohnt sich also, noch mehr innerhalb der Elternschaft einer Kita oder Schulklasse zu kommunizieren, um nicht alleine mit den unklaren Strukturen dazustehen. Wir lernen alle Geduld und neue Umgangsweisen in diesen Zeiten, also legen Sie noch ein solidarisches Pfund drauf und gehen sie nicht in Konkurrenz um Betreuungsplätze. Wir kreieren an verschiedenen Stellen eine neue Realität, die vielleicht auch Voraussetzungen für ein besseres Betreuungssystem schafft. Die Kita-Mitarbeiter*innen brauchen weiterhin Ihre Unterstützung und Ihr Wohlwollen.  


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Kategorien Elternberatung