Veröffentlicht am Di., 19. Mai. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

HIER gibt es diesen Text als pdf zum Download.


BLOG 50

Unter dem Pflaster liegt der Strand

Corona macht es möglich! In Kreuzberg-Friedrichshain, Pankow und Neukölln werden temporäre Spielstraßen eingerichtet, damit die Kinder mehr Platz bekommen, wenn sie nicht wie gewohnt in die Schule und Kita gehen können.

Diese Initiativen können in jedem Kiez entstehen, wenn sich Leute dafür engagieren. Ich glaube, schneller und unbürokratischer als jetzt bekommt man das nie wieder durch! Für bestimmte Zeiten, Sonntagnachtmittag oder an einem Wochentag, lässt sich z.B. vier Stunden eine Nebenstraße (geht nur da) dichtmachen – wenn dafür gesorgt ist, dass Anwohner den Spielbetrieb und die Absperrung dann auch beaufsichtigen.

Hier geht es zur offiziellen Webseite mit mehr Informationen zur Beantragung: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/aktuelles/artikel.851085.php

Die älteren Leute sitzen draußen, die Kinder bemalen die Straße

Ich habe lange nicht mehr soviele schöne Gemälde mit Straßenkreide oder „Himmel und Hölle“ gesehen wie in der letzten Zeit. Kinder entdecken diese Möglichkeit wieder.

Die Straße erobern – bei diesem Gedanken werde ich ganz euphorisch! Stühle rausstellen für ältere Leute, wie in Griechenland, Einladungen in die Briefkästen stecken, Vorführungen der Kinder, Zirkus, Theater, Märchen, eine Geschichtenerzählerecke, ein Straßenchor, gefüllte Thermoskannen und Kuchen für die Nachbarn. All das lässt sich organisieren.

Wie Pilze sollten diese Spielstraßen aus dem Boden schießen, um die Gunst der Stunde zu nutzen! Jede Idee, die realisiert wird, hinterlässt Spuren für die Ewigkeit und kann erhalten, wiederbelebt und mit Ansteckungscharakter am Leben erhalten werden. Man kann ja auch mal gucken, wo es bereits Spielstraßen gibt, und was andere aus dieser Möglichkeit gemacht haben.

Trommeln Sie die Nachbarschaft zusammen!

Das Nachbarschaftsportal www.nebenan.de  eignet sich auch bestens dazu, Initiativen zu gründen. Wohngemeinschaften könnten genauso Spaß daran haben wie Familien mit Kindern.

Was ist denn eine Spielstraße? Eine Straße, in der jede*r, egal welchen Alters, dem nachgehen kann, was entspannte Freude bereitet. Die Schachecke, das Boccia-Spiel, die Gummi-Twist-Arena: Wenn ich mir so ein Wimmelbuch des Alltags vorstelle, geht mir das Herz über und ich könnte sofort in meiner kleinen Wohnstraße loslegen! Miteinander reden, sich kennenlernen, und das als wöchentlicher Wiederholungsfall; da entstehen die so dringend gebrauchten Netzwerke in der Nachbarschaft. So war einmal der ursprüngliche Gemeindegedanke, der auf diese Weise eine Modernisierung erfährt.

Wenn das jetzt viele Kieze machen und die Autos einfach temporär auf ihre Plätze verwiesen würden, werden wieder umweltfreundlichere Verhältnisse als Maßstab gesetzt. Vielleicht ist dann ein Urlaub zu Hause auch gar nicht mehr so schlimm, wenn man weiß, dass man zu einer bestimmten Zeit aus der Tür heraustreten kann und Bekannte, Kumpels und Nachbarn trifft. Die gute Sache daran ist, dass auf der Straße genug Platz vorhanden ist, um den nötigen Abstand einzuhalten. Machen Sie mit, wenn Sie die Zeit dafür haben!        


Sie haben eine Frage oder möchten sich beraten lassen? Schreiben Sie mir eine Mail an rohrbach@cw-evangelisch.de. Ich melde mich unmittelbar zurück und wir vereinbaren einen Termin für ein Telefonat oder einen Skype-Videocall. Das Angebot ist kostenfrei.

Liebe Leserin, lieber Leser: Ich freue mich über jede Rückmeldung! Wer ein Wunschthema, positive Resonanz oder kritische Anmerkungen hat, darf sie mir gerne schicken.

Kategorien Elternberatung