Veröffentlicht am Fr., 22. Mai. 2020 08:15 Uhr

Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern zu Fragen rund ums Familienleben und Erziehungsthemen. Hier bloggt sie von Montag bis Freitag über gelingendes Familienleben im Corona-Modus und gibt Tipps für die Zeit zwischen Homeoffice und Kinder-Dauerbetreuung.

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BLOG 52

Was wäre, wenn …? – Träumen vom Genuss

Ich erinnere mich an die besten Stunden mit meiner Mutter, wenn wir manchmal zusammen auf den Markt gegangen sind und „Was wäre, wenn wir im Lotto gewinnen würden“ gespielt haben. Dabei haben wir uns alles Mögliche ausfantasiert, was wir mit der gewonnenen Freiheit tun würden.

Morgens, zwischen Schlaf- und Wachzustand, kommen mir manchmal Träumereien, die man sich normalerweise gar nicht auszudenken wagt. Was wäre zum Beispiel, wenn Karstadt tatsächlich die Hälfte seiner Kaufhäuser schließen würde? Was könnte man mit diesen großen Häusern machen, was auch Geld einbringen und Bedürfnisse von Kunden befriedigen würde? „Permakultur“ kam mir in den Sinn. Nachhaltige Nutzung auch von urbanen Räumen. Hier mal zum Informieren: https://permakultur.de/was-ist-permakultur/

„Drei ethische Grundsätze stehen im Zentrum allen permakulturellen Wirkens. Auf ihre Verwirklichung ist jedes Permakultur-Projekt ausgerichtet. Sie lauten: Sorge für die Erde. Sorge für die Menschen. Begrenze Konsum und Wachstum und teile Überschüsse.“

Ein Genuss-Kaufhaus, in dem wir einkaufen, entspannen und lernen

Ich sehe ein großes, total begrüntes Haus mit bewachsenem Dach vor mir, das auf jeder einzelnen Etage etwas anderes zu bieten hat. Neben dem großen Markt, auf dem man biologisch angebautes Gemüse kaufen kann, eine Gourmet-Etage, die keinerlei Abfall produziert und ohne Plastik auskommt, ein Roller-Paradies für Kinder, ein kulturelles Querbeet-Angebot, das schöne Sachen zum Verkauf anbietet, die Massage-Praxen auf der Wellness-Etage, also viele Dinge zum Haben und Sein, die primäre Bedürfnisse befriedigen, die sonst durch Ersatz-Konsum zur Ruhe gebracht werden mussten.

Stellen Sie sich vor, aus einem Konsum-Tempel wird ein Genuss-Tempel, in dem Sie ganz viel Behaglichkeit, Entspannung, Anregung, Gesundheit und Bildung ohne jeden Abfall finden können. Eine Abteilung für Upcycling Ihrer alten Klamotten mit dem Nähkurs gleich nebenan.

Natürlich werden für alle Bereiche Arbeitskräfte benötigt, und umsonst gibt es auch nichts; aber die Ziele sind Zufriedenheit, Entspannung, Gesundheit und der Erwerb von Alltagsfähigkeiten – zum Beispiel in einem Repair-Café – statt immer mehr anzuschaffen und die Müllberge zu erhöhen. Warum eigentlich nicht den Konsum umdefinieren und radikale Nachhaltigkeit lernen und praktizieren?  

Dem Spieltrieb der Menschen aller Altersgruppen muss auch Genüge getan werden. Ein permanentes Spieleparadies für alle Altersgruppen, um Konzentration und Intelligenz zu fördern. Die Zeit beim Spielen nicht vertreiben, sondern einfangen! Jedes Spiel, ob als konventionelles Brettspiel oder digital, hat Innovation und Erfindergeist zum Ziel.

Der Preis dafür wäre, das Denken, dass alles billig sein muss und Waren zum Wegwerfen produziert werden, aufzugeben. Weniger ist mehr, Qualität vor Quantität und Wohlergehen vor Wohlstand im rein materiellen Sinne.

Das Leben kann so schön sein! Träumen Sie es sich herbei, denn wenn wir nicht träumen, entstehen keine neuen Wege in eine nachhaltige Zukunft für Ihre Kinder.


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Kategorien Elternberatung