Veröffentlicht am Di., 17. Nov. 2020 05:45 Uhr

Der Alltag mit Kindern ist wunderbar und herausfordernd – und manchmal beides gleichzeitig. Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern in Fragen rund um Familienleben und Erziehung. Dieser Themenfundus und persönliche Beobachtungen sind die Inspiration für ihren wöchentlichen Blog „Familiensinn“.


Blog 11 – More Fridays for Future - ein Familienthema

In der ARD läuft gerade die Themenwoche 2020: „Wie wollen wir leben?“ Zwei Dokus, „Ich bin Greta“ und eine andere über die „Generation Fridays for Future“, habe ich mir in der Mediathek bereits angeschaut. Ich frage mich, inwieweit diese Thematik - die Begrenzung des Klimawandels - nicht an jeden Familientisch gehört. Wie es dem Jugendalter entspricht, wollen junge Menschen ihre Energien einsetzen, mit ihren Ängsten und Sorgen um ihre Zukunft wahrgenommen werden, und vor allem Einfluss auf Entscheidungen nehmen, die diese Zukunft betreffen. Das beginnt in der Familie und zieht sich durch das ganze Leben.  

Ich denke, es wäre toll, wenn sich Familien mit heranwachsenden Kindern gemeinsam diese Dokus anschauen und miteinander ihre Positionen darüber austauschen.  

Ich war beim Anschauen noch einmal tief gerührt, mit was für einer Energie diese Bewegung durch Greta Thunberg gestartet ist, und wie schwer es den Organisatorinnen und Organisatoren fällt, sich von der Politik, den Medien und schließlich Corona nicht ausbremsen zu lassen. Sie haben mit unglaublichem kooperativem Fleiß, mit organisatorischen Fähigkeiten und klugem Vorausdenken Projekte in der Öffentlichkeit auf die Beine gestellt, hinter denen sich - meiner Ansicht nach - manches schulische Curriculum verstecken kann.

Sicher handelt es sich um Jugendliche aus privilegierten Familien, die auch von ihren Eltern unterstützt werden. Das könnten die Protagonistinnen und Protagonisten von morgen in vielen gesellschaftlichen Bereichen sein, die leider schon heute Gefahr laufen, in ihrer Selbstwirksamkeit nach nur kurzer intensiver Zeit desillusioniert und ausgebrannt die Bewegung verlassen. „Ich will die Welt sehen, bevor sie den Bach runtergeht“, ist eine mögliche Reaktion. Aber auch das könnte sich unter den jetzigen Bedingungen von Corona vorerst nicht realisieren lassen.  

„Die einzige Sache, vor der wir nicht weglaufen können, ist unsere eigene Zukunft“, sagte Luisa Neubauer, die Frontfrau der Bewegung „FfF“ auf dem Podium bei der großen Demonstration am 29. November vergangenen Jahres in Berlin. Und sie hat  Recht, denn das gilt für alle Altersgruppen. Nur wird die Politik leider von zu vielen alten Leuten dominiert, die dann bereits auf natürlichem Wege von diesem Planeten verschwunden sind, während die jungen Menschen heute weiter voraus denken müssen.  

Ich habe Déjà-vu-Erlebnisse, wenn ich an meine eigene Jugend, die Stunde der Weltverbesserer, zurückdenke. Aber heute sind diese Weltverbesserer ungleich professioneller unterwegs, strukturiert und engagiert, weil es durch die öffentlich diskutierte Klimaforschung um viel Konkreteres geht als bei uns damals: Es geht um ihre reale existenzielle Zukunft! Der Planet bleibt, aber die Verluste natürlicher Lebensbedingungen laufen ins Unkontrollierbare. - Ist das Glauben oder Wissen?  

Und dann kam Corona, und wir alle dürfen mitansehen, wo plötzlich überall Gelder herkommen und was alles möglich ist. Die Medien unken, dass die Bewegung tot sei; aber viele geben nicht auf. Sie haben am 24. April 2020 statt einer Live-Demo trotz vieler Pannen die erste Online-Demo auf die Beine gestellt.

Der Klimaexperte Hans-Joachim Schellnhuber sagt in der ARD-Dokumentation, die Chance, den Klimawandel zu begrenzen, liege bei momentanen Bedingungen vielleicht bei fünf bis zehn Prozent. Wie soll man Jugendliche mit so einer Prognose dafür gewinnen, nicht zerstörerisch oder selbstzerstörerisch zu agieren - vor allem, wenn sie nicht über die Bildungsmöglichkeiten und Fähigkeiten dieser Avantgarde, die hier in dem Film begleitet wurde, verfügen?  

Was sind ihre Familienwerte?  

Es ist wie mit dem Virus. Was nützen alle Beschränkungen, wenn es die große Mehrheit der Bevölkerung nicht einsieht, trotz teilweise unlogischer Verordnungen, alles zu tun, um Ansteckung zu verhindern? Was bei Corona vermieden werden muss, gilt für die Begrenzung des Klimawandels andersherum! Stecken Sie sich gegenseitig an, indem ihr K (für Klima)-Wert mindestens bei 1 liegt; also mindestens einen Menschen dazu bringen, dass er/sie über sein persönliches Verhalten nachdenkt und vielleicht freiwillig etwas ändert.

Wenn die Nachfrage nach überflüssigem und umweltschädlichem Konsum sinkt, werden sich auch die Produktionsweisen ändern. Es ist vielleicht eine neue Gemeinsamkeit in der Familie, die Meinung und das Wissen Ihrer Kinder anzuhören und zusammen eine Familienstrategie „von unten“ zu entwickeln. Greta Thunberg konnte all das nur verwirklichen, weil ihre Familie komplett mitgemacht hat. Das geht natürlich auch in deutlich kleinerem Rahmen.  

Bei aller wachsenden Selbstdisziplin gönne ich mir ab und an etwas ‚Unkorrektes‘, aber im vollen Bewusstsein und mit Genuss … und versuche, noch deutlicher über den Wert liebevoller Beziehungen aufzuklären. Ich orientiere meine Handlungen weniger gegen, sondern eher für etwas; dann strengt es auch nicht so an. –  

Machen Sie gemeinsam Ihre Liste mit Veränderbarem, alleine und mit Ihren Lieben, und tauschen Sie sich aus. Das ist die echte Schule des Lebens!  


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