Veröffentlicht am Mo., 30. Nov. 2020 15:00 Uhr

Nach einer Stunde und 45 Minuten war alles vorbei: Die straffe Tagesordnung - Wahl des Synoden-Präsidiums, des Kreiskirchenrates und weiterer Gremien, Jahresrechnung 2019, Haushaltsplan 2021 erledigt.

Lange hatte der Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf mit Blick auf die steigenden Corona-Infektionszahlen hin- und herüberlegt, wie seine Herbst-Kreissynode aussehen könnte: Wo haben wir genügend Platz? Was erlauben die Hygiene-Vorschriften des Berliner Senats? Wie werden wir der Verantwortung gerecht, die Gesundheit der Synodalen und aller Mitwirkenden bestmöglich zu schützen? Eine rein digitale Synode per Videokonferenz stand ebenfalls zur Diskussion - aber sollte eine konstituierende Synode und die Wahl eines neuen Präsidiums komplett online vonstatten gehen? Und das nach der bereits ausgefallenen Tagung im März?

Die kürzeste Synode in der Kirchenkreis-Geschichte

Das Ergebnis dieser Diskussion wird wohl als die kürzeste Kreissynode in die Geschichte der Evangelischen Kirche in Charlottenburg-Wilmersdorf eingehen: Sicher mit Mund-Nasen-Schutz maskiert kam am 6. November die Synode in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche zusammen - zumindest hälftig. Die andere Hälfte ihrer Mitglieder hatte sich in der wenige Meter entfernten Kapelle eingefunden. Über Leinwände konnten sich beide Gruppen sehen und die Beiträge aus dem jeweils anderen Raum hören. Statt der sonst zwei Tage war nur der Freitagabend für die Synode eingeplant. Auch Gäste waren nicht wie üblich zugelassen, um die Zahl der Anwesenden so gering wie möglich zu halten. 

"Wir wollen mit dem Vertrauen achtsam umgehen"

Präses Dr. Anne Berghöfer übergab nach der Wahl des Präsidiums ihre Aufgaben an Dr. Annette Niederfranke: Die Direktorin der Internationalen Arbeitsorganisation ist für die kommenden sechs Jahre neue Präses der Kreissynode; Pfarrerin Manon Althaus und Klaus-Heinrich Nordhoff wurden als Nachfolger von Pfarrerin Claudia Wüstenhagen als Vize-Präsides gewählt. "Es ist eigentlich eine Zumutung, dass man wählt, ohne dass man die Gelegenheit hatte, sich richtig kennenzulernen. Das geht wohl allen so", sagte Dr. Annette Niederfranke. "Umso größer schätze ich Wert, wie viel Vertrauen und Vorschuss Sie in meine und unsere Wahl gegeben haben. Wir wollen damit achtsam umgehen."

Die Synodalen wählten außerdem Bettina Schwietering-Evers als bisherige und künftige Stellvertreterin von Superintendent Carsten Bolz sowie einen neuen Kreiskirchenrat, den Personal- und Haushaltsausschuss sowie deren Vorsitzende. Ebenfalls per Wahl bestimmt wurden die Synodalen, die den Kirchenkreis im Kirchenparlament der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), der Landessynode, vertreten. Die Wahlergebnisse im Einzelnen können Sie hier nachlesen. Den Vorsitz des Bau- sowie des Diakonie- und Sozialausschusses wird der Kreiskirchenrat regeln - so beschloss es die Synode einstimmig. Sie nahm darüber hinaus die Jahresrechnung des Kirchenkreises für das Jahr 2019 ab und beschloss den Haushaltsplan für 2021.

"Mein Dank gilt allen, die sich in diesen Zeit auf den Weg und diesen Abend möglich gemacht haben", sagte Superintendent Carsten Bolz zum Abschluss. Auch wenn sich eine solche Turbo-Tagung unter strengen Regeln nicht wiederholen wird, ist an business as usual vermutlich auch zur nächsten Kreissynode im Frühjahr 2021 noch nicht zu denken. Sie soll deshalb nicht wie üblich im März, sondern erst am 23./24. April 2021 stattfinden. Dann, so die Hoffnung, könnte es schon warm genug sein, um das Tagen bei offenen Türen und Fenstern angenehmer zu machen. Oder, wie Dr. Annette Niederfranke zum Abschluss ihrer Dankesrede sagte: "Es kommen wieder andere Zeiten."

T/F: JK

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