Veröffentlicht am Di., 5. Jan. 2021 05:30 Uhr

Der Alltag mit Kindern ist wunderbar und herausfordernd – und manchmal beides gleichzeitig. Auf dem Evangelischen Campus Daniel berät Diplom-Pädagogin Martina Rohrbach Eltern in Fragen rund um Familienleben und Erziehung. Dieser Themenfundus und persönliche Beobachtungen sind die Inspiration für ihren wöchentlichen Blog „Familiensinn“.

Blog 24 – Lernen neu (zu) denken

Willkommen an Bord! Haben Sie Lust, gemeinsam mit Ihren Kindern aus der „Corona-wir-wissen-nicht-wie-es-kommt-Depri-Höhle“ rauszukrabbeln? Nein, es wird nicht mehr die Normalität von früher geben. Es wird auch nicht besser, wenn wir täglich ausschließlich alle negativen Informationen in unserem Kopf stapeln. Ich wage jetzt mal ein paar kühne Vorschläge, die etwas mit Zukunft, ökologischem Wandel und einem neuen Gefühl von Reichtum zu tun haben.

Dieses passive Dasein, darauf zu warten, dass Kita und Schule wieder losgehen und die Kinder ihre Leistungsnachweise - den alten Normen entsprechend - irgendwie erbringen können, verbaut den Blick auf das, was wirklich für die Zukunft gelernt werden muss.

Mal ehrlich, liebe Lehrer*innen: Auch Lehrpläne sind nur Fiktionen, die nichts mit Intelligenz, Können und Fähigkeiten zu tun haben müssen. Ich traue mich, den Appell zu äußern, das mal entspannt in den Hintergrund zu drängen und gemeinsam mit den Kindern etwas Realitätsgetreues und Nützliches zu lernen. Wir haben einen Lockdown, und die Kinder sollen sich mit Schulnoten aus der alten Zeitrechnung rumquälen? Sie brauchen Anerkennung für ihre Anpassungsbereitschaft und Anreize, sich aus eigener Motivation schlau zu machen. Und worüber? Natürlich über ihre Zukunft! Wie möchten sie leben? Was müssen sie können und verstehen? Was sind ihre Interessen jenseits von Konsum und Zeitvertreib? Sich selbst das Leben so zu gestalten, dass es eine alternative Zukunft hat! Das wäre doch was für die ganze Familie, oder?

Fangen wir mit Beispielen aus dem Bildungsprogramm für zu Hause an.
Projekt: Was geht bei uns über den Küchentisch?

  • Wie viele Nahrungsmittel kommen aus der Massentierhaltung?
  • Wo kommen sie überhaupt her? Wie viel kommt aus der Region, und ist Bio dabei?
  • Wie viel Verpackung geht bei uns durch den Müll?
  • Wie viel Wasser verbrauchen wir? Welche Energiequellen nutzen wir?
  • Und wie steht es mit der Zucker-Sucht? Fallen wir auf Werbung und Verpackung rein?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Sie für einen Wandel in ihrem ganz persönlichen Kosmos bereit sind?

Haben wir darüber schon einmal geredet und einen Familien-Konsens hergestellt oder folgen wir alten Gewohnheiten? Meist kommt dann von verschiedenen Seiten das alte Gefühl hoch, dass man das doch braucht und eben nicht anders kann, und schließlich auch die persönliche Freiheit hat, zu konsumieren, was man will!

Hinter diesen paar Küchentisch-Fragen stecken Disziplinen wie Mathematik, Biologie, Geographie, Sozialkunde, Ökonomie und Psychologie, wenn man es genau nimmt. Unsere digitalen Medien erlauben Zugang zu einem weltweiten Wissensspeicher, der weit mehr bietet, als ein schulisches Curriculum vorgibt. Das Thema Erderwärmung fängt schon  am heimischen Küchentisch an.

Ich bin ja der Meinung, dass wir nicht warten sollten, bis die Schulen ordentlich ausgestattet sind und alle Rentner wieder in den Schuldienst zurückgeholt wurden, sondern die Gunst der Stunde nutzen sollten, viel mehr ein eigenes Ding zu machen, ein gemeinsames Thema zu finden, das uns selbst und die Kinder auf eine neue Weise verbindet und inspiriert.

Und jetzt wage ich mal wieder eine ganz kühne These. Wenn es in einer Familie gemeinsame Themen gibt, die zu verfolgen als lohnenswert empfunden wird, die verbinden und als gemeinsame Ziele außerhalb der eigenen empfindlichen Befindlichkeit liegen, gäbe es vielleicht weniger Trennungen.

Die meiste Zeit in der Menschheitsgeschichte ging es darum, gemeinsam zu überleben, für Nahrung zu sorgen und Kinder aufzuziehen; und in Gemeinschaften Sicherheit zu finden. Die Anziehung und vielleicht auch damals romantische Liebe diente bestenfalls dazu, passende Gene zu mischen und als Anstoß, um das Gemeinsame zu entwickeln. Die zunehmende Individualisierung der Neuzeit steht dem ursprünglichen Familienzweck fast entgegen.

Wenn eine Familie also zusammenhalten möchte, sollte sie sich selbst gemeinsame Themen suchen, die der heutigen Zeit und ihrer Zukunft entsprechen. Es könnte helfen, dem normalen Leben näher zu kommen, wenn man die äußere Realität ins Haus lässt.


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Liebe Leserin, lieber Leser: Ich freue mich über jede Rückmeldung! Wer ein Wunschthema, positive Resonanz oder kritische Anmerkungen hat, darf sie mir gerne schicken. 

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Kategorien KK-Blog Familiensinn

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